Todesmeldung
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Allgemeines
Die Sterbemeldung an ein Krebsregister umfasst alle relevanten Informationen zum Versterben einer Krebspatientin bzw. eines Krebspatienten und bildet den Abschluss der Tumordokumentation auf Personenebene. Sie liefert wichtige Daten für Auswertungen, die sich mit der Prognose von Krebserkrankungen beschäftigen, und ist von zentraler Bedeutung für epidemiologische Kennzahlen, die unter anderem darauf abzielen, Trends in der Krebssterblichkeit zu analysieren.
Für die Todesmeldung sollten, wie bei allen anderen Meldungsarten, die Angaben zur Tumorzuordnung gemacht werden. Dazu gehören insbesondere:
das Datum der Erstdiagnose
die ICD-10-Kodierung der Tumorerkrankung
Falls das Datum der Erstdiagnose nicht bekannt ist, sollte ein geschätztes Datum angegeben werden. Bei der ICD-10-Kodierung sollte der genaueste Code verwendet werden, der auf Basis der vorliegenden Informationen zur Krebsdiagnose ermittelt werden kann. Nur wenn die Lokalisation des Tumors nicht bekannt ist, kann ausnahmsweise der Code C80.9 (bösartige Neubildung, nicht näher bezeichnet) angegeben werden.
Zudem sollte aus der Meldung möglichst hervorgehen, ob ein Tumor zum Tod beigetragen hat und, falls ja, welcher Tumor betroffen war.
Die Auswahl der Grundleiden (UCoD) gemäß WHO und Deutschland:
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt mit der ICD (International Classification of Diseases) die grundlegenden Regeln für die Auswahl der Grundleiden (underlying cause of death, UCoD) vor. Laut WHO gilt:
Grundleiden: Die Krankheit oder Verletzung, die die Krankheitskette in Gang gesetzt hat und letztlich zum Tod führte.
Falls mehrere Krankheiten angegeben sind, gelten spezielle WHO-Auswahl- und Modifikationsregeln zur Bestimmung der Haupttodesursache.
Priorisierung: In der Regel wird die chronische Erkrankung, die kausal zum Tod beitrug, priorisiert, sofern sie plausibel mit der direkten Todesursache verknüpft ist.
Beispiel:
Todesursache: Lungenentzündung
Grundleiden: COPD, Diabetes mellitus
Grundleiden (UCoD) laut WHO-Regeln: COPD (wenn diese als ursächlich für die Lungenentzündung gilt).
Deutschland (amtliche Todesursachenstatistik, Destatis):
Deutschland folgt den WHO-Regeln und setzt diese auch mit nationalen Kodierungsvorgaben um. Wenn mehrere Grundleiden vorliegen, wird die am stärksten kausal verknüpfte Erkrankung als Haupttodesursache kodiert.
Tumorerkrankungen werden in Deutschland häufig als führende Todesursache gewählt, da sie in der Regel als primäre Krankheitsursache betrachtet werden.
- Das Grundleiden wird in der Regel als die Erkrankung bestimmt, die kausal zum Tod geführt hat, wobei chronische Erkrankungen oder Tumorerkrankungen in Deutschland priorisiert werden. In Zweifelsfällen sollte diejenige Erkrankung als Grundleiden kodiert werden, die am stärksten mit der direkten Todesursache verknüpft ist.
Merkmale und Ausprägungen
ID (oBDS) | Merkmal | Ausprägungen | Beschreibung |
|---|---|---|---|
20.01 | Sterbedatum | TT.MM.JJJJ | Das exakte (taggenaue) Datum des Todes ist anzugeben. |
20.02 | Tod tumorbedingt | J = Ja | Gibt an, ob ein Zusammenhang zwischen einer meldepflichtigen Tumorerkrankung und dem Tod der Patientin/ des Patienten besteht.
|
20.03 | Todesursache ICD | Kodierung nach der im Sterbejahr gültigen ICD-WHO | Geben Sie den ICD-WHO-Code der Erkrankung oder des Zustands an, der als Grundleiden kausal zum Tod geführt hat, d. h. der Krankheit, die die Kausalkette in Gang gesetzt hat. Tragen Sie die priorisierte Todesursache als Haupttodesursache ein, die sich aus der Reihenfolge der Kausalkette ergibt: 1a: Direkte Todesursache (letztlich tödliche Erkrankung oder Zustand) Feld 2: Begleiterkrankungen, die nicht direkt zum Tod führten, aber für das Verständnis der Krankheitsgeschichte relevant sind. Die Reihenfolge der Ursachen muss der Kausalkette folgen, auch wenn die Todesbescheinigung eine andere Reihenfolge angibt. Weitere Erläuterungen finden Sie in der Anleitung zur Eingabe multikausaler Todesursachen und Anleitung zur Dokumentation der Todesursache bei mehreren Tumorerkrankungen |
Anleitung zur Eingabe multikausaler Todesursachen
Wenn die Todesbescheinigung vorliegt, enthält diese Angaben zu den Todesursachen, die in den Feldern 1a, 1b und 1c sowie gegebenenfalls in Feld 2 eingetragen sind. In der Todesbescheinigung können diese Ursachen entweder in der korrekten Reihenfolge oder in einer inkorrekten Reihenfolge angegeben sein.
Überprüfung der Reihenfolge:
Feld 1a sollte die direkte Todesursache beinhalten (die Krankheit oder der Zustand, der direkt zum Tod geführt hat).
Feld 1b enthält die vorangegangene Todesursache, die die direkte Todesursache bedingt hat.
Feld 1c umfasst eine weiter zurückliegende Ursache, die zur vorangegangenen Ursache geführt hat.
Feld 2 sollte Begleiterkrankungen oder prädisponierende Erkrankungen enthalten, die nicht direkt zum Tod geführt haben, aber für das Verständnis der Krankheitsgeschichte wichtig sind.
Wenn die Reihenfolge in der Todesbescheinigung nicht korrekt ist:
Anpassung der Reihenfolge: Auch wenn die Reihenfolge der Todesursachen in der Bescheinigung nicht korrekt ist, muss die Erfassung gemäß der Kausalkette erfolgen: von der unmittelbar tödlichen Erkrankung bis hin zu den vorangegangenen Ursachen.
Beispiel:
Inkonsistente Reihenfolge in der Todesbescheinigung:
1a: Lebermetastasen
1b: Metastasiertes Lungenkarzinom
1c: Leberversagen
2: COPD
Korrekte Reihenfolge in der Erfassung:
1a: Leberversagen (direkte Todesursache) als Folge
1b: Lebermetastasen (vorangegangene Ursache) als Folge
1c: Metastasiertes Lungenkarzinom (weitere Ursache) → zu priorisierende / dokumentierende Todesursache
2: COPD
Wichtige Hinweise:
Achten Sie darauf, dass nur die zugrunde liegende Krankheit oder Verletzung codiert wird, die den Tod verursacht hat. Die Art des Todeseintritts (z.B. Herz-/Kreislaufstillstand, Atemstillstand) wird nicht codiert.
Begleiterkrankungen (Feld 2) sind für den Datensatz ebenfalls zu erfassen, wenn sie für die Krankheitsgeschichte des Verstorbenen relevant sind, aber nicht direkt zum Tod geführt haben.
Zusammenfassung:
Die Todesursachen sollten in der logischen Reihenfolge der Kausalkette in den Datensatz übertragen werden, auch wenn die Todesbescheinigung selbst eine falsche Reihenfolge enthält.
Falsche Reihenfolgen in der Erfassung müssen korrekt interpretiert und angepasst werden, damit die Kausalität und statistische Auswertungen korrekt sind.
Für detaillierte Informationen und Kodierregeln siehe ICD-10-WHO 2019 Regelwerk (Band 2).
Anleitung zur Dokumentation der Todesursache bei mehreren Tumorerkrankungen:
Die Dokumentation der Todesursache bei Vorliegen mehrerer Tumorerkrankungen sollte nach den allgemeinen Prinzipien der Kausalität und der Kodierung der zugrunde liegenden Todesursache erfolgen. Wenn mehrere Tumorerkrankungen vorliegen, empfiehlt es sich, die aktive, zum Tod führende Tumorerkrankung als ursächlich zu kennzeichnen, während andere Tumorerkrankungen in der Regel nicht kausal zum Tod beigetragen haben, sondern als begleitende Erkrankungen aufgeführt werden.
Primäre Tumorerkrankung (aktive, ursächliche Erkrankung):
Die Tumorerkrankung, die zum Zeitpunkt des Todes die aktivste Form hatte und aufgrund ihres Tumorstadiums als kausal für den Tod angesehen wird, wird als ursächliche Todesursache in den entsprechenden Feldern dokumentiert.
Diese Erkrankung wird mit „Ja“ als kausal unter “Tod tumorbedingt” angegeben.
Beispiel: Ein Patient hatte sowohl ein metastasiertes Lungenkarzinom als auch ein zuvor behandeltes Magenkarzinom. Zum Zeitpunkt des Todes war das Lungenkarzinom aktiv und hatte zu multiplen Metastasen geführt, die letztlich den Tod verursachten. Das Magenkarzinom war in Remission und nicht direkt am Tod beteiligt.
Dokumentation der Todesursachen:
1a: Ateminsuffizienz (direkte Todesursache)
1b: Lungenmetastasen (vorangegangene Ursache)
1c: Metastasiertes Lungenkarzinom (Grundleiden, das die Kausalkette in Gang gesetzt hat) → zu priorisierende / dokumentierende Todesursache
Begleiterkrankungen (Feld 2):
Zuvor behandeltes Magenkarzinom → Kausalität: Nein
Diabetes mellitus → Kausalität: Nein
Lösungsvorschlag:
Aktive Tumorerkrankung: Dokumentieren Sie die aktive Tumorerkrankung, die aufgrund ihres Tumorstadiums den Tod kausal verursacht hat. Diese Tumorerkrankung erhält die Kennzeichnung „Ja“ für die Kausalität.
Weitere Tumorerkrankungen: Alle anderen Tumorerkrankungen, die nicht zum Tod geführt haben, erhalten die Kennzeichnung „Nein“ für die Kausalität.
Kausalitätskennzeichnung für Tumorerkrankungen:
- Lungenkarzinom (aktiv, metastasiert) → „Ja“ (ursächlich für den Tod)
- Magenkarzinom (nicht todesursächlich) → „Nein“ (nicht ursächlich für den Tod)
Zusammenfassung:
Primäre Tumorerkrankung (aktive Erkrankung) = „Ja“ für die Kausalität.
Sekundäre Tumorerkrankungen (andere Tumore, die nicht zum Tod führten) = „Nein“ für die Kausalität.
Quellen |
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Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Todesursachenstatistik und ICD-10-WHO. Verfügbar unter: https://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Klassifikationen/ICD/ICD-10-WHO/Todesursachenstatistik/_artikel.html , Stand: 14.03.2025. Regelwerk der ICD-10 (Band 2, Kapitel 4) – Regeln und Richtlinien für Mortalitäts- und Morbiditätsverschlüsselungen, Version 2016. Verfügbar unter: https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Kodiersysteme/klassifikationen/icd-10-who/version2016/x2wrp2016_zip.html?nn=468782&cms_dlConfirm=true&cms_calledFromDoc=959338, Stand: 14.03.2025. |