Fernmetastasen

Fernmetastasen

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Allgemeines

Das Merkmal “Fernmetastasen” beschreibt die Ausbreitung des Tumors auf entfernt gelegene Organe oder Gewebe. Wird eine oder mehrere Fernmetastasen zum Zeitpunkt der Diagnose oder im Verlauf festgestellt, müssen deren genaue Lokalisation(en) sowie der Zeitpunkt ihres Auftretens dokumentiert werden. Diese Informationen sind entscheidend für die Beurteilung der Ausgangssituation, den Verlauf der Erkrankung und die Festlegung der weiteren Therapiestrategie.

Lymphknotenmetastasen können sowohl in der Nähe des Tumors (regionär) als auch weiter entfernt (in der Ferne) auftreten. In der TNM-Klassifikation werden diese jedoch in unterschiedliche Kategorien eingeordnet: Metastasen in regionalen Lymphknoten fallen unter die N-Kategorie, da sie im Lymphabflussgebiet nahe des Tumors liegen. Metastasen in weiter entfernten Lymphknoten gehören zur Kategorie M und werden als Fernmetastasen klassifiziert [1].

Zuordnung von Fernmetastasen zur Diagnose oder im Verlauf

Die Zuordnung der Fernmetastasen zur entsprechenden Meldungsart richtet sich nach dem Abschluss der Erstdiagnose. Dieser Zeitraum sollte alle Untersuchungen umfassen, die zur Sicherung der Erstdiagnose und des Stagings beitragen. Die meldenden Einrichtungen sollen eine Diagnosemeldung abgeben, die alle relevanten Untersuchungen zusammenführt.

Metastasen, die zur Erstdiagnose entdeckt werden, müssen in der Diagnosemeldung dokumentiert werden. In der Regel handelt es sich um Metastasen, die gemäß den ENCR-Empfehlungen innerhalb von maximal 92 Tagen nach der Erstdiagnose oder bis zur ersten Antitumortherapie auftreten [1,2]. Diese gelten als synchron und müssen in der TNM-Klassifikation (M-Kategorie) berücksichtigt werden. Falls die Diagnose bereits gemeldet wurde, sind neu entdeckte Metastasen in der Diagnosemeldung zu ergänzen und erneut zu übermitteln (Korrektur- oder Aktualisierungsmeldung).

Metastasen, die später als 92 Tage nach der Erstdiagnose festgestellt werden, gelten als metachron und sind in einer Verlaufsmeldung als Rezidiv oder Progress zu melden.

Für urotheliale Tumoren mit den Lokalisationen C65.9, C66.9, C67.* und C68.* definiert die ENCR anstelle von 92 Tagen einen Zeitraum von maximal 122 Tagen [3]

Je nach Tumorerkrankung kann eine Metastasierung auch als lokale oder regionäre Ausbreitung gewertet werden. Ein Beispiel hierfür ist der Peritonealbefall beim Ovarialkarzinom, der im T-Stadium klassifiziert wird. Weitere Beispiele sind die Satelliten- und in-transit-Metastasen eines Melanoms, die unter den N-Kategorien erfasst werden.

Merkmale und Ausprägungen

ID (oBDS)

Merkmal

Ausprägungen

Beschreibung

ID (oBDS)

Merkmal

Ausprägungen

Beschreibung

11.01

Lokalisation von Fernmetastase(n)

PUL = Lunge
OSS = Knochen
HEP = Leber
BRA = Hirn
LYM = Lymphknoten
MAR = Knochenmark
PLE = Pleura
PER = Peritoneum
ADR = Nebennieren
SKI = Haut
OTH = andere Organe
GEN = generalisierte Metastasierung

LYM = alle nicht-regionären Lymphknotenmetastasen.

OTH = bezeichnet alle Organe außerhalb der gängigen und auswählbaren Fernmetastasenlokalisationen, wie Lunge (PUL), Knochen (OSS), Leber (HEP), Gehirn (BRA), Lymphknoten (LYM), Knochenmark (MAR), Pleura (PLE), Peritoneum (PER), Nebennieren (ADR) und Haut (SKI) [4].

„OTH“ soll nicht verwendet werden, wenn die Lokalisation der Fernmetastase nicht aus den Unterlagen ersichtlich ist.

GEN = generalisierte Metastasierung:
Wenn mehrere Fernmetastasen-Lokalisationen gleichzeitig vorliegen, sollten diese einzeln dokumentiert und jede Lokalisation genannt werden. Die Ausprägung „GEN“ soll nur verwendet werden, wenn die einzelnen Lokalisationen nicht aus den Unterlagen ersichtlich sind.

„GEN“ soll nicht verwendet werden, wenn eine multiple (generaliserte) Metastasierung in nur einem Organ vorliegt, z. B. im Knochen. In solchen Fällen sind die einzelnen Lokalisationen (im Falle von multiplen Knochenmetastasen: OSS) zu dokumentieren, wenn mehrere Metastasen im selben Organ vorhanden sind.

11.02

Datum der diagnostischen Sicherung von Fernmetastasen

TT.MM.JJJJ

Ein exaktes (taggenaues) Datum ist anzugeben. Es kann in Ausnahmefällen ein monatsgenaues (z.B. 15.MM.JJJJ) oder jahrgenaues Datum (z.B. 01.07.JJJJ) übermittelt werden mit Angabe der Genauigkeit.

Es ist das klinische oder histologische Befunddatum zu wählen.

Quellen

Quellen

[1] M. Meyer et al. (2019). Manual der Krebsregistrierung (S. 39). München: W. Zuckschwerdt Verlag GmbH.

[2] European Network of Cancer Registries (ENCR). (2022). Festlegung des Inzidenzdatums (Deutsche Übersetzung, veröffentlicht am 29. November 2022). Abgerufen von ENCR Recommendation DOI_Mar2022_DE_2022-11-29.pdf

[3] European Network of Cancer Registries (ENCR). (2022). Recommendation for Urothelial Tumours (Version Juni 2022). Abgerufen von https://encr.eu/sites/default/files/Recommendations/ENCR%20Recommendation_UT_Jun2022_EN.pdf.

[4] Wittekind, Christian (Hrsg.). TNM – Klassifikation maligner Tumoren. 8. Auflage. John Wiley & Sons, 2017, S. 8.